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Nr. 76
96 Seiten
reich bebildert
Einzelheft € 12 / sFr 21
ISSN 0720-3098
ISBN 978-3-88190-421-6

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www.allmende-online.de

 

Die neue allmende – Zeit für Statussymbole

allmende 76
Zeitschrift für Literatur

„Die Freiheit, die Autonomie der Kunst. Sie ist nach Oscar Wilde nie zweitrangig, sondern erstrangig, weder Abbild noch Anhang, sondern Vorreiterin, keine Erfüllungsgehilfin, sondern eigenständig, eigensinnig – im besten Sinne des Wortes zwecklos.“

Joachim Zelter markiert in seinen hier erstmals veröffentlichten „Notizen über das Schreiben. Die Entscheidung Schriftsteller zu werden“ den Ort der zeitgenössischen Literatur. Was das Eigenständige und Eigensinnige als literarisches Potenzial beinhalten kann, das dokumentieren zuallererst die literarischen Beiträge der vorliegenden Nummer der „allmende“. Am Text von Ulf Stolterfoht zeigt sich, dass experimentelle Literatur äußerst innovativ sein kann, und Nina Jäckle zeichnet sich durch die Intensität ihrer sprachlichen Annäherung an subjektive Befindlichkeiten aus. Alle drei Autoren haben 2004 das Förderstipendium des Landes Baden-Württemberg erhalten und damit ein Jahr lang eine finanzielle Grundsicherung. Dies macht deutlich, dass sich die Freiheit der Kunst und staatliche Förderung nicht ausschließen, im Gegenteil. Die Sicherung der kulturellen und damit der literarischen Infrastruktur, wie sich immer deutlicher zeigt, ist keine „Subvention“, sondern eine Investition in die Zukunft. Das zumindest hat die neue Bundesregierung in ihr Koalitionsprogramm mit eingeschrieben. Mag das auch wenig erscheinen, ist es jedoch auch ein Zeichen für ein sukzessives Umdenken. Aber auch Künstler und Kulturvermittler müssen sich Fragen stellen: Was kann und soll Förderung bewirken? Was sind die Kriterien, nach denen ästhetische Qualität bewertet wird? Wie können die Generationen in den Dialog treten? Was sind die neuen Inhalte und Formen, die in der Literatur zum Tragen kommen? Ein Beispiel für eine mögliche Beantwortung ist das Drehbuch von Agnes Karow, weitere Antworten bieten die lyrischen Texte mit ihren ganz eigenen Stilhaltungen. Die genannten Beispiele, und die übrigen der vorliegenden Nummer zeigen, dass die Forderung 4 der hier abgedruckten „Bittschrift des Papiers“ befolgt wurde: „Schreibt nicht eher, bis ihr etwas Wichtiges oder Neues zu sagen habt.“ Dem „Wichtigen“ und „Neuen“ möchte die „allmende“ auf die Spur kommen. Sie will nicht nur Fragen stellen, sondern zur Diskussion aufrufen. Das gilt für die literarischen Beiträge, für essayistische Erkundungen wie Karl-Heinz Otts Reflexionen über „Europas Vielgötterei“, für den Blick auf die Tradition und für die Beiträge über die literarischen Institutionen des Südwestens, wie der Johann-Jakob-Christoph von Grimmelshausen-Preis und grenzüberschreitend des Literaturhauses in der Thurgauer Gemeinde Gottlieben. Befragt werden auch die Perspektiven der elsässischen Literatur, deren Zukunft alles andere als gesichert erscheint. Hier wäre Förderung dringlich: Wir hoffen auf Texte aus dem Elsass, insbesondere von der jüngeren Generation.

Die „allmende“ stabilisiert sich auf einem Niveau, das ihre Existenz mittelfristig gesichert erscheinen läßt. Die Abonnentenzahlen steigen langsam aber kontinuierlich, die Zeitschrift wird überregional wieder wahrgenommen und als Forum der aktuellen Literatur geschätzt.

Die Herausgeber, die Redaktion und der Info Verlag wünschen allen Leserinnen und Lesern ein produktives Neues Jahr und alles, alles Gute.

Ausgabe Nr. 76 mit Beiträgen u.a. von Adrien Finck · Nina Jäckle · Agnes Karow
Jochen Kelter · Björn Kern · Doris Lott · Jagoda Marinic · Frank Nagel
Kerstin Rose Schlageter · Maryse Staiber · Ulf Stolterfoht

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.
Hg. von Manfred Bosch & Hansgeorg Schmidt-Bergmann
im Auftrag der Literarischen Gesellschaft, Karlsruhe