Nr. 77 |
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Die neue allmende – Zeit für Statussymbole
allmende 77 „Die
Menschen an der Grenze erleben hautnah die Präsenz der anderen“,
so heißt es in Annette Kliewers Plädoyer für eine stärkere
Berücksichtigung der regionalen Literaturen im Deutschunterricht.
Seit jetzt über 25 Jahren bemüht sich die allmende, das Gemeinsame
der grenzüberschreitenden oberrheinischen Kulturregion ebenso hervorzuheben
wie den Blick auf notwendige Differenzen zu lenken. Literarische Texte
standen und stehen dabei im Zentrum und gerade die vorliegende Ausgabe
zeigt die Vielfalt und Qualität der deutschsprachigen Literatur,
insbesondere auch bezogen auf den Oberrhein. Mit Wolfgang Hermann und
Arno Geiger kann die allmende zwei prominente Bregenzer Schriftsteller
präsentieren, der jüngste Roman des Letzteren Es geht uns gut
war einer der großen Erfolge des vergangenen Jahres. Die österreichische
Literatur, die sich auf Vorarlberg beziehen lässt, hat in den letzten
Jahren große Resonanz in der deutschsprachigen Kritik gefunden.
Das ist auch den Beiträgen aus Deutschland zu wünschen, die
sich in diesem Heft präsentiert finden, darunter der Kurzprosa von
Johanna Walser, sowie den Erzählungen von Pascal Antoinette Emrich
und René Dietrich. Dem französischen Nachbarn gelten die essayistischen
Erkundungen auf den Spuren von Jakob Michael Lenz von Herbert Schnierle-Lutz.
Büchners Text über den Dichter des Sturm und Drang enthält
„Passagen, die singen und tönen und nie
mehr loslassen“, notierte sich Kurt Tucholsky – der Weg ins
Steintal ins neu erbaute Oberlin-Museum lohnt noch immer als eine kulturhistorische
Exkursion. Sie macht vielleicht auch die Schwierigkeiten erfahrbar, die
sich heute der Tradition der elsässischen Literatur entgegenstellen.
Ein Weg, das Wissen und die Sprachkompetenz zu bewahren, wäre sicherlich
die Aufnahme regionaler Literatur in den Schulunterricht, so wie es Annette
Kliewer einfordert. Traditionen weiter zu vermitteln, dazu dienen auch
die Literaturpreise im Südwesten, wie der traditionsreiche Johann
Peter Hebel-Preis, der in diesem Jahr an Martin Stadler verliehen wurde
– sicher eine Entdeckung, wie der Auszug aus einem neuen Roman des
Schweizer Schriftstellers zeigt. Die aktuelle Literatur will der neu begründete
Paula Rombach-Preis befördern, und zwar bewußt bezogen auf
die „Mitglieder“ der Universität Freiburg: Studierende,
Lehrende, Angestellte und die sogenannten „Alumni“. Ein interessantes
Experiment, wie die beiden Erzählungen der ersten Preisträger
dokumentieren. Noch ein neuer Preis ist hervorzuheben, der Offenburger
Übersetzerpreis, der den Blick auf die Leistungen des Übersetzens
von fremdprachlichen Literaturen lenkt – die Literatur Polens stand
im Zentrum der ersten Preisverleihung. Es tut sich was in der Region und
die allmende zeigt sich auch im 26. Jahr ihres Bestehens als ein
spannendes Forum zeitgenössischer Literatur – wie auch das
vorliegende Heft wieder dokumentiert. |
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