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Nr. 78
144 Seiten
reich bebildert
Einzelheft € 12 / sFr 21
ISSN 0720-3098
ISBN
978-3-88190-444-5

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www.allmende-online.de

 

Die neue allmende – Zeit für Statussymbole

allmende 78
Zeitschrift für Literatur

25 Jahre allmende

„Ich verfüge über meine eigene Lebenserzählung nicht“, konstatierte Hans-Ulrich Treichel in seiner Dankrede anlässlich der Verleihung des Hermann Hesse-Literaturpreises. Erst durch das Schreiben erschließt sich die eigene existentielle Dimension – und die kann literarisch nur relevant sein, wenn sie Adressaten findet. Literatur lebt von der stillen Kommunikation, wie Hubert Spiegel in seiner Laudatio „Warum lesen wir?“ ausführt. Reflexionen über die Literatur stehen auch im Zentrum von Hugo Friedrichs epochemachender Darstellung „Die Struktur der modernen Lyrik“, die 1956 erstmals erschienen ist. Der Romanist fragt: „Was ist moderne Lyrik?“ Sein Briefwechsel mit Hilde Domin, den Frank-Rutger Hausmann erstmals kommentiert hat, zeigt die Schwierigkeiten ästhetischer Wertung – und zugleich die Notwendigkeit des kritischen Urteils. Die Komplexität von Lyrik demonstriert auch Wolfram Menzel, der in den fünfziger und sechziger Jahren der Stuttgarter Schule um Max Bense nahestand – ein faszinierendes Experiment mit einem überraschenden Ergebnis: „Man kann es einfacher sagen: Wie würde man das Gedicht (laut) lesen?“. Das ist subtil gedacht, denn ein Gedicht „laut lesen“ kann nur, wer über die Strukturprinzipien der Sprache und des lyrischen Werkes verfügt – wie Silke Scheuermann, Holdger Platta und Matthias Kehle, die, wie auch die übrigen Beiträger, der allmende aus ihrer Werkstatt unveröffentlichte „Schriftstücke“ zur Verfügung gestellt haben. Ein großer Erzähler war unbestritten Louis-Ferdinand Céline, der aufgrund seiner Kollaboration mit den nationalsozialistischen Besatzern in Frankreich lange Zeit verfemt war – Manfred Ruppel versucht eine Annäherung. Literarische Ausflüge führen in das bereits zu einer Institution gewordene Literaturhaus in Basel und ins Elsass – dort bewegt sich etwas und wir hoffen sehr darauf, schon bald Beispiele einer jungen elsässischen Literatur in der allmende abdrucken zu können. Warum schreiben wir? Vielleicht auch, um das Leben stillzustellen, dem Augenblick und dem Flüchtigen Dauer zu verleihen? Die eigene Lebenszeit ist notwendigerweise begrenzt, was wir immer schmerzlich dann erfahren, wenn der Abschied endgültig ist. Jan Peter Tripp erinnert an den Schriftsteller und Kulturvermittler Horst Brandstätter, der nach langer Krankheit im vergangenen August viel zu früh verstorben ist – er hat uns viel hinterlassen!

Wir danken allen Beiträgern – und natürlich Ihnen, unseren Lesern! In heutigen Zeiten eine Literaturzeitschrift zu verlegen ist eine Herausforderung. Gerade darum macht es Spaß, sich gegen den Trend zu stemmen. Dass „Papier“ ein Kulturgut höchster Güte darstellt, das hat die Debatte um die „Karlsruher Handschriften“ gezeigt, aber auch, dass wir Schreibende und Lesende die Öffentlichkeit mobilisieren können – daran erinnert unser Titelbild, dem eine Vorlage aus der Badischen Landesbibliothek zugrunde liegt. In diesem Sinne: ein gutes, produktives und erfahrungsträchtiges neues Jahr.

Ausgabe Nr. 78 mit Beiträgen u.a. Armin Ayren · Frank-Rutger Hausmann
Matthias Kehle · Hans-Ulrich Treichel · Heinrich Kuhn · Christoph Keller
Margrit Manz · Wolfram Menzel · Peter Müller · Holdger Platta · Martin Ruf
Manfred Ruppel · Silke Scheuermann · Wolfgang Spreckelsen · Hubert Spiegel
Jan Peter Tripp · Jean-François Wollbrett · Joachim Zelter

Erhältlich im Buchhandel oder direkt beim Verlag.
Hg. von Manfred Bosch & Hansgeorg Schmidt-Bergmann
im Auftrag der Literarischen Gesellschaft, Karlsruhe