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Die
neue allmende – Zeit für Statussymbole
allmende 78
„Ich
verfüge über meine eigene Lebenserzählung nicht“,
konstatierte Hans-Ulrich Treichel in seiner Dankrede anlässlich der
Verleihung des Hermann Hesse-Literaturpreises. Erst durch das Schreiben
erschließt sich die eigene existentielle Dimension – und die
kann literarisch nur relevant sein, wenn sie Adressaten findet. Literatur
lebt von der stillen Kommunikation, wie Hubert Spiegel in seiner Laudatio
„Warum lesen wir?“ ausführt. Reflexionen über die
Literatur stehen auch im Zentrum von Hugo Friedrichs epochemachender Darstellung
„Die Struktur der modernen Lyrik“, die 1956 erstmals erschienen
ist. Der Romanist fragt: „Was ist moderne Lyrik?“ Sein Briefwechsel
mit Hilde Domin, den Frank-Rutger Hausmann erstmals kommentiert hat, zeigt
die Schwierigkeiten ästhetischer Wertung – und zugleich die
Notwendigkeit des kritischen Urteils. Die Komplexität von Lyrik demonstriert
auch Wolfram Menzel, der in den fünfziger und sechziger Jahren der
Stuttgarter Schule um Max Bense nahestand – ein faszinierendes Experiment
mit einem überraschenden Ergebnis: „Man kann es einfacher sagen:
Wie würde man das Gedicht (laut) lesen?“. Das ist subtil gedacht,
denn ein Gedicht „laut lesen“ kann nur, wer über die
Strukturprinzipien der Sprache und des lyrischen Werkes verfügt –
wie Silke Scheuermann, Holdger Platta und Matthias Kehle, die, wie auch
die übrigen Beiträger, der allmende aus ihrer Werkstatt unveröffentlichte
„Schriftstücke“ zur Verfügung gestellt haben. Ein
großer Erzähler war unbestritten Louis-Ferdinand Céline,
der aufgrund seiner Kollaboration mit den nationalsozialistischen Besatzern
in Frankreich lange Zeit verfemt war – Manfred Ruppel versucht eine
Annäherung. Literarische Ausflüge führen in das bereits
zu einer Institution gewordene Literaturhaus in Basel und ins Elsass –
dort bewegt sich etwas und wir hoffen sehr darauf, schon bald Beispiele
einer jungen elsässischen Literatur in der allmende abdrucken zu
können. Warum schreiben wir? Vielleicht auch, um das Leben stillzustellen,
dem Augenblick und dem Flüchtigen Dauer zu verleihen? Die eigene
Lebenszeit ist notwendigerweise begrenzt, was wir immer schmerzlich dann
erfahren, wenn der Abschied endgültig ist. Jan Peter Tripp erinnert
an den Schriftsteller und Kulturvermittler Horst Brandstätter, der
nach langer Krankheit im vergangenen August viel zu früh verstorben
ist – er hat uns viel hinterlassen! |
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