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64 Seiten
Paperback
99 sw-Abbildungen
€ 10
ISBN 978-3-88190-489-6

Lindemanns Bibliothek
Band 45

Band 2
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Hermann-Hesse-Preis

Da die junge Dichtung
damit etwas gewinnt

50 Jahre Hermann-Hesse-Preis
Eine Dokumentation herausgegeben von Hansgeorg Schmidt-Bergmann für die
Stiftung Hermann Hesse Literaturpreis


„4. Juli 1957. Vorgestern in Baden-Baden. Hesse-Preis. 10.000 DM. Der Oberbürgermeister begrüßte routiniert in bekannter Melodie. Man sah, wie er das Finale mit Gewalt an den Haaren herbeizerrte. Der Dirigent bedrohte das Orchester mit heftigen Bewegungen. Er tat alles, um die Augen auf sich zu ziehen, denen folgten dann auch die Ohren, man hörte seine Bewegungen förmlich, und Mozart und Beethoven waren nur noch eine Klangkulisse der Turnerei. Die Leonorenouvertüre III wird bei solchen Anlässen wahrscheinlich immer deshalb gespielt, weil sie das Selbstbewußtsein stabilisiert: sie bläht einen auf. Und sie ist sich nicht zu fein für den Eintritt in jede Art von Ohr.“ (aus: Martin Walser, Leben und Schreiben. Tagebücher 1951 – 1962)

Der Hermann-Hesse-Preis gehört heute zu den angesehensten Literaturpreisen der Bundesrepublik. Sein Renommee beruht nicht nur auf der beeindruckenden Ahnenreihe, von Martin Walser über Hubert Fichte, Adolf Muschg, Dieter Kühn zu Marlene Streeruwitz und Hans-Ulrich Treichel, sondern mit darauf, dass er von Hermann Hesse selbst auf den Weg gebracht worden ist. Auch der Förderpreis, der seit 1977 vergeben wird, verzeichnet Autorinnen und Autoren, die später ihren Weg gegangen sind. Die „Förderungsgemeinschaft Kunst“, hervorgegangen aus der „Notgemeinschaft der Deutschen Kunst“, wollte aufgrund der Diskreditierung der kulturellen Werte durch den Nationalsozialismus die Kunstpolitik nicht mehr dem Staat allein überlassen. Mit der Bitte, den Namen des überzeugten Pazifisten und Demokraten Hermann Hesse für den Preis benutzen zu dürfen, setzte man ein Zeichen und verband damit zugleich die Hoffnung, dass fast zehn Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik die Literatur sich niemals mehr politisch instrumentalisieren lassen und den Überzeugungen des Namengebers gemäß für Toleranz und Menschenwürde einstehen würde. Dafür bürgten auch der Verleger Peter Suhrkamp und sein Nachfolger Siegfried Unseld, die an der Begründung des Preises großen Anteil hatten. Hermann Hesse verstand darum den Karlsruher Literaturpreis insbesondere als Auszeichnung für die jüngere Literatur.

Dieser kleine Band wirft ausgestattet mit nahezu 100 Abbildungen und historischen Briefen und Dokumenten einen Blick zurück auf die Jahre zwischen 1957 und 2007 und stellt die Preisträgerinnen und Preisträger sowie ihre wichtigsten Werke in kurzen biografischen Notizen vor.