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€ 5,50
ISSN 0930-4878


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Hierzuland – Heft 41

Badisches und anderes von Rhein, Neckar und Main

Keineswegs arbeitnehmerfreundlich fing er an, der Wonnemonat Mai: Der 1. Mai, längst von der großen Mehrheit der Bevölkerung umgewidmet vom (Gedenk-)„Tag der Arbeit“ zu einem klassischen Ausflugs- und Feier-Tag zur privaten Ergötzung, fiel mit „Christi Himmelfahrt“ zusammen und damit ein (arbeits-)freier Tag weg. Bekanntlich sieht auch dieser kirchliche Feiertag viele Ausflügler in Wäldern, Auen und Lokalen und treibt als „Vatertag“ seine Blüten. Aber man muss die Feste bekanntlich feiern, wie sie fallen, und den einen unbeschwerten Tag weniger als sonst holt man heutzutage locker nach. An Anlässen besteht dazu kein Mangel, denn die seit den 1970er-Jahren rollende „Festwelle“ hält munter an.

Zur allenthalben um sich greifenden Feierfreudigkeit bleibt festzuhalten, dass Feste zu allen Kulturkreisen gehören. Immer noch markieren sie Jahres- und Lebenslauf, längst aber sind uns zahlreiche zusätzliche Festivitäten beschert, die sich nicht mehr als „Kontrast zum harten Alltag“ beschreiben lassen. Sie haben zwar noch ihre soziale und kulturelle Funktion, sind in der Mehrzahl aber wesentlich von kommerziellen Aspekten geprägt, Bestandteil der Vergnügungsindustrie unserer Gesellschaft, die ja schon ein namhafter Politiker aus der Pfalz auf dem Weg zum „kollektiven Freizeitpark“ sah.

Aufzuhalten ist die Welle offensichtlich nicht. So haben sich viele Verantwortliche in Kulturämtern, Museen und Archiven statt fürs Naserümpfen fürs Mitmachen entschieden, setzen ihren Veranstaltungen Festrahmen auf und scheuen sich auch nicht vor „Spektakel“. Museumsfeste und „lange Nächte“ sind en vuoge, der „Tag der Archive“ wird mit immer mehr Aufwand begangen, und mitunter gibt man sich gar spektakulär, wie z.B. in Bruchsal zu Monatsbeginn. Im Rahmen der Veranstaltungen zum 650-jährigen Bestehen des ältesten Bauwerks der Stadt (vgl. Bericht) gab es das „2. Bergfried-Spectaculum“. Warum nicht, wenn damit Interesse für Geschichte geweckt und Inhalte vermittelt werden können?

Im Übrigen können auch die „kleinen Feste“ den Blick aufs Vergangene lenken und das Miteinander in der Gegenwart stärken. Schon 1991 haben wir im Einklang mit dem Karlsruher Volkskundler Heinz Schmitt auf diese erfreulichen „Nebenwirkungen“ hingewiesen. Schmitt: „Durch diese Straßenfeste kann die Entstehung einer neuen Art von Heimatbewusstsein gefördert werden, das freilich nicht mehr mit dem identisch ist, was früher darunter verstanden wurde“, aber eine „emotionale Bindung ebenso einschließt wie die Bereitschaft zu kommunalpolitischem Engagement.“
Um Heimatbewusstsein ging es auch bei den Heimattagen in Eppingen und bei Veranstaltungen des Arbeitskreises Heimatpflege, über die wir in diesem „Hierzuland“ berichten. Verdiente Anerkennung für ehrenamtlichen Einsatz wurde dabei ausgesprochen, und dass es ohne dieses bürgerschaftliche Engagement nicht geht, machte der Ministerpräsident des Landes gerade auch bei den Heimattagen 2008 in Ulm klar. Für diesen seit 1978 laufenden Veranstaltungsreigen gilt übrigens wie für den generellen Festkalender: Es wird immer mehr. Und – das ist wohl der „schnelllebigen Zeit“ geschuldet – es geht immer früher los. Schon zu Anfang Mai fiel der Startschuss für die Heimattage des Landes.

Nächstes Jahr steht übrigens dem Arbeitskreis ein Jubiläum ins Haus: Das 25-jährige Bestehen wird gefeiert. Dieses „Jubeljahr“ ist übrigens ein „freudiges Ereignis“, das die zeitliche Namensvorgabe erfüllt. Einst nämlich war ein Jubeljahr in der katholischen Kirche ein „heiliges Jahr“ mit besonderen Ablässen, und das galt nur alle 25 Jahre.