|
|
Johannes Hucke (Hg.)
Wo
ich hingeh, geh ich hin
Karlsruher Kinder-Gedichte
Folgende
Worte sprach er zu mir: / Wie schön die Weide, / wie blau der Bach,
/
es glänzen die Sterne in der Nacht ...
Karlsruher
Kinder schreiben Gedichte: gefühlvoll, verspielt, anarchisch, aber
auch
auch provozierend und verstörend. Schon beim ersten Hineinlesen
stellt man fest, dass diese Schreib-Kunst auf einer anderen Ebene stattfindet
als Gebastel mit Uhu und Glanzpapier, das man mit der betreffenden Altersstufe
gewöhnlich in Verbindung bringt. Denn es handelt sich ausnahmslos
um Grundschulkinder, deren lyrische Versuche (häufig zum allerersten
Mal) in diesem umfangreichen Band versammelt sind.
Drei Jahre lang ist Buchautor Johannes Hucke von Schule zu Schule gezogen,
hat Kinder der zweiten bis vierten Klassen von Gedichten erzählt
und wie man sie schreiben kann. Anschließend zogen sich die Kleinen
mit Stift und Papier zurück.
Sie schrieben auf Tischen, in Gängen, versteckt im Schulhof, auf
Klettergerüsten ... Was sie mitbrachten, trieb nicht nur dem mehrmals
ausgezeichneten Lyriker („Libellen greifen selten zu Labello“)
das nackte Erstaunen ins Antlitz; auch Eltern und Lehrkräfte gewannen
neue Perspektiven, verblüfft, beeindruckt, nicht selten erschüttert
von der Intensität und – auch literarischen – Qualität
der Texte. Slam Poetry und kreatives Schreiben haben in den letzten Jahren
das Orchideenfach Lyrik zurück ins öffentliche Bewusstsein gebracht.
Jetzt legen die Kinder nach: Ihre unmittelbaren Inspirationen dürften
manchen Profi vor Neid in den Keller schicken. Hier spricht eine Generation
in die Erwachsenenwelt hinein, die gerade erst schreiben gelernt hat.
Wer sich den mal gereimten, mal reimlos rhythmisierten Sprachgebilden
öffnet, wird nicht nur für den Moment fasziniert sein; man gewinnt
Vertrauen in das Erneuerungs-potential der Jüngsten, die unsere Kultur
einmal revolutionieren könnten – wenn
man sie lässt.
|
|