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Paperback
40 Seiten
42 Abbildungen
€ 12
ISBN 978-3-88190-498-8

Lindemanns Bibliothek
Band 49


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www.schahabian.de

 

Myriam Schahabian

Spaces in Between

Die deutsch-iranische, in Karlsruhe arbeitende Künstlerin Myriam Schahabian entwirft ein komplexes künstlerisches Projekt, das seine Premiere in der Azad-Gallery in Teheran hat, dort mittels eines Films um eine Dimension erweitert wird, um anschließend in Deutschland präsentiert zu werden. Mehr noch, das Projekt selbst thematisiert eine höchst aktuelle Fragestellung: Identität und Interkulturalität. Nicht nur die Künstlerin selbst hat zwei höchst unterschiedliche Wurzeln, eine europäische und eine orientalische, das Werk dreht sich um „Inter“, dieses Dazwischen-Sein: Spaces In Between. „Wo immer es mich gibt, gibt es mich immer daneben“ hat Myriam Schahabian eine ihrer Arbeiten genannt: sie stellt die Frage nach Identität in einer glo­balisierten Welt.

Es dürfte das erste Mal sein, dass ein solches Kunstprojekt wirklich in allen seinen Dimensionen dieses „Dazwischen“ spiegelt. Selbst- und Fremdbild von Iran unterscheiden sich beträchtlich. Hier die stolze Kulturnation mit großer Vergangenheit („Persepolis“), dort die vor allem von den USA propagierte „Achse des Bösen“, in deren Lesart jeder Iraner ein potenzieller Terrorist ist. Die Islamische Republik Iran propagiert den Heldenkult für die Märtyrer und inszeniert Trauerfeierlichkeiten für den Revolutionsführer Khomeini. An der Entwicklung zeitgenössischer Kunst, die auf Individualität und Selbstentfaltung des Individuums basiert, ist sie hingegen weniger interessiert. Iranische Kultur, überlieferte Wertvorstellungen ebenso wie die Künste im engeren Sinne, wird heute im Iran, aber auch in vielen anderen Teilen der Welt gepflegt und weiterentwickelt. Was aber bedeutet überhaupt „Iranität“?

Die Künstlerin repräsentiert in mehrerer Hinsicht das Schicksal einer ganzen Generation von Iranern und Iranerinnen um die 40, die im Persien des Schah aufgewachsen sind, ihr Heimatland nach der Revolution 1979 verlassen haben und nach Europa oder USA gegangen sind. Die meisten von ihnen konnten oder wollten nach der Emigration ihr Herkunftsland lange Jahre nicht besuchen und sind jetzt auf der Suche nach ihren Wurzeln, aber auch nach der Gegenwart ihres Landes.
Myriam Schahabian verkörpert nicht nur (deutsch-) iranische Migrationsgeschichte, sondern reflektiert die Erfahrungen von Migranten und Migrantinnen überhaupt, die Spannungen und Widersprüche von Weltanschauung und Alltagserfahrung in Herkunfts- und Wohnland, die Brüche in der eigenen Biographie, die Möglichkeiten einer kulturellen Bereicherung.

Die Stadt Karlsruhe hat daher dieses außergewöhnliche Kunstprojekt gerne unterstützt. Wir beabsichtigen, die Ausstellung Myriam Schahabians und ihren Film über die Kunstszene in Teheran 2009 in Karlsruhe während des 10. internationalen Kulturfestivals Frauenperspektiven zu präsentieren. Unter dem Titel „Tausendundein_Iran“ wird das Festival verschiedenen Facetten von Iranität, zeitgenössischer iranischer Kunst und Kultur in und außerhalb des Iran in unterschiedlichen Gattungen nachspüren.

Elisabeth Schraut