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SHOOT SHOOT

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SHOOT SHOOT the beautiful – so klar und deutlich dieser Titel zunächst erscheinen mag, so sehr verzweigt sich seine einfache Lesbarkeit auf den zweiten Blick in ein kaleidoskopisches Spiel unterschiedlicher Perspektiven und Bedeutungen. Ein Spiel, das nicht nur den Einsatz und die Haltung der hier versammelten Werke Marco Pittoris verdeutlicht, sondern vor allem seine ästhetischen Strategien und die Erfahrbarkeit seiner Bild-Collagen auf den Punkt bringt. Wie der Titel sind Pittoris Arbeiten Grenzgänger, im buchstäblichen Sinne vielschichtig und verlangen nach wiederholter Auseinandersetzung. Denn was ist Schönheit in Bezug auf den zweifachen Schuss?
Auf jeden Fall eine Aufforderung. Aber etwa eine Aufforderung zu einer Ablehnung? Oder zu einer anhaltenden Affirmation? Shooting als Gebrauch
einer Waffe oder doch einer Kamera, die sich auf die Schönheit richtet und diese zu nichten oder eben zu sichten sucht? Ist es nicht vielmehr die ambivalente Verschränkung beider Ansätze, die Verdopplung beider Schüsse: Das Schöne in Abhängigkeit von medialen Dispositiven, die es nicht nur erscheinen lassen, sondern dies tun, indem sie es aus der Zeit reißen, es als ein immer gültiges Ideal behaupten, während es jegliche Verbindung mit dem Leben einbüßt.
Pittori bedient sich dieser medialen Dispositive – geht bei seiner Arbeit vom Medium der Fotografie aus, das er im Siebdruckverfahren verfremdet und durch das Medium der Malerei erweitert –, um diese Isolation aufzulösen. Die Motive, die ihn zu seinen Bildwelten inspirieren, sind Schnappschüsse, allerdings weniger von vermeintlich Schönem, als zunächst von Hässlichem, Nicht-Perfektem: bröckelnde Hausfassaden, rostige Müllcontainer, zigfach überklebte oder auch längst verblichene Werbeplakate. Aber auch Reminiszenzen an eine Vergangenheit: Ein Amerika der 1960er- und 1970er-Jahre mit seinen Diners und Pool-Partys, seinen Schilderwäldern und den palmengesäumten Boulevards. All diese Motive kennzeichnet die Abkehr von einem Schönheitsideal und das Aufscheinen ihrer Geschichte(n): in Ge- und Verbrauchsspuren, in der bekannten Ikonografie amerikanischer Großstädte und deren Fortschreibung in der offenen Lesbarkeit und Kombinatorik der bunten Collagen Pittoris.
Der doppelte Schuss wird zur Wiederholung, zu einem Prozess, in dessen Verlauf nicht nur einmal, sondern (mindestens) zweimal geschossen wird, um eine Veränderung in die Darstellung einzuführen. Die Geschichte
wird in neuen Kontexten weitergesponnen und durch die taktile Qualität der Farbe zu einem hell vibrierenden Leben erweckt. Mal schrill leuchtend und kontrastierend nebeneinander gesetzt, mal als Farbwiederholung einzelne Bildelemente miteinander verknüpfend oder als eine zur reinen Qualität gewordene Fläche. Immer geht es darum, der Schönheit wieder eine Zeit zu geben, sie den isolierten Bildern zu entreißen. Nicht die ferne Macht einer Idee, sondern die Fortführung eines Lebens findet der Betrachter in den Werken Pittoris. Sie sind, wie der Titel dieses Kataloges, die Einladung zu einer immer wieder neuen Erfahrbarkeit.

Charlotte Neugebauer, Berlin

Art.-Nr.: 978-3-88190-783-5 Kategorien: , Stichwort:

Produktbeschreibung

Buchcover

Zusätzliche Informationen

Gewicht 0.126 kg
40 Seiten
Paperback
Lindemanns Bibliothek Band 217