Verlagsgeschichte

Klaus E. R. Lindemann (rechts) und Josef Werner (links) überreichen dem unvergessenen Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz 1971 das erste Buch des INFO Verlages.

Klaus E. R. Lindemann (rechts) und Josef Werner (links) überreichen dem unvergessenen Karlsruher Oberbürgermeister Günther Klotz 1971 das erste Buch des INFO Verlages.

„Lindemanns Bibliothek“:
Über 60 Jahre Veröffentlichungen für Karlsruhe und die Region im Info Verlag

Mag sein, dass man Karlsruhe nicht als das literarische Zentrum Europas bezeichen kann. Ebenso richtig ist aber auch, dass die Literatur in Karlsruhe ein lange Tradition hat. „Viel vor und viel dahinter”, der viel gelittene Slogan des Karlsruher Stadtmarketing, hat für Literatur in und aus der Fächerstadt durchaus seine Berechtigung: hier wird nicht nur solche gelesen, hier wird Literatur gemacht. Und das bereits seit 1719: Von Johann Peter Hebel, Victor von Scheffel, Otto Flake, Marie-Luise Kaschnitz, Walter Helmut Fritz bis hin zu Katja Henkel, Silke Scheuermann, Patrick Roth, Markus Orths, Matthias Kehle, Volker Kaminski – all dies sind Autorinnen und Autoren, die aus Karlsruhe stammen, die hier gewirkt haben und bis heute wirken und die weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannt sind. – Selbstredend: Autoren brauchen Verlage. Und auch die haben eine interessante, wechselvolle Geschichte in Badens ehemaliger Residenz: Macklot und Schmieder, C.F. Müller, G. Braun, Badenia, der legendäre Stahlberg – inzwischen alle nicht mehr existent – und seit 1953 der Badnerland Verlag, der spätere Info Verlag, der 2013 sein 60-jähriges Bestehen feierte und nach wie vor in Familienbesitz ist.

 Die Zeitung "Badnerland"

Die Zeitung „Badnerland“



„Thematisch flexibel“ nennt die Presse das umfangreiche Programm des Verlagshauses, die einzige Verlagsgründung, wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Karlsruhe, die bis heute Bestand hat. Da steht Weltanschauliches neben Erzählkunst, Tagesaktualität neben Entdeckerfreude, Regionales neben Reisewelten. Das Thema Geschichte hat ebenso seinen Platz wie die Kunst, Ausstellungskataloge für Stadt und Region, Wegweiser durch Museen, Kunstsammlungen und Paragraphen; Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur finden eine Würdigung. Ein Schwerpunkt des Lesestoffs ist die regionale Literatur. Dabei spielt die Stadt Karlsruhe als Schauplatz eine herausgehobene Rolle, wie etwa die Romane von Petra Hauser und Hedi Schulitz sowie die verschiedenen erfolgreichen Anthologien von Doris Lott zeigen. Mit Johannes Hucke, Horst Koch und Michael Roth sind einige der erfolgreichen Regio-Krimi-Spezialisten benannt. Hucke, als Schriftsteller und Weinjournalist weithin geschätzt, hat sich insbesondere auch mit seinen Weinlesebüchern zum Kraichgau, der Südpfalz, der Bergstraße und jüngst der Region Churfranken einen Namen gemacht und die „Regio Guides“des Info Verlages über die Region hinausgetragen. Nicht zuletzt die Mundart, die in Karlsruhe viele Jahren vor allem mit Harald Hurst in Verbindung gebracht wurde, spielte in den letzten 20 Jahren eine wichtige Rolle im Info-Verlagsprogramm: der Grandseigneur der Muddersprooch, Dr. Rudolf Stähle, gehört ebenso zu den prämiierten Autoren der „Edition Mundart“ (erscheint seit 1999) wie SWR-Gutsele-Autor Herman Dischinger oder Werner Puschner, dessen Weihnachtsminis „Mir schenke uns nix“ und „Mir schenke uns gar nix“ sich längst zu den meistgekauften Titeln der Region gemausert hat. Auch viele andere Autoren des Info Verlages sind mehrfach ausgezeichnet und erhielten angesehene Literaturpreise.

Ein buntes Programm

Ein buntes Programm





In den fünfziger Jahren wurde im Umfeld der Arbeitsgemeinschaft „Heimatbund Badenerland e.V.“ der „Badenerland Verlag“ gegründet. Wichtigstes Verlagsobjekt war die Zeitung „Badenerland“, die sich mit Politik, Wirtschaft und Kultur in Baden beschäftigte. Nach dem Volksentscheid für den Verbleib Badens im Lande Baden-Württemberg im Juni 1970 wurde das Erscheinen der Zeitung eingestellt und der Verlag in neue Hände gegeben. Klaus E.R. Lindemann (*1944), Journalist und Politologe, übernahm den Verlag und führte ihn unter dem neuen Namen „Info Verlag“ weiter. Bereits 1967 initiierte er zur Förderung junger Autoren gemeinsam mit der Stadt Karlsruhe den Lyrik­wettbewerb „Junge Poesie einer Stadt“. Etliche Wettbewerbsteilnehmer, die damals mit ihren ersten literarischen Gehversuchen an die Öffentlichkeit traten, sind heute etablierte Schriftsteller oder in anderen künstlerischen Sparten erfolgreich wie zum Beispiel der Komponist Wolfgang Rihm. Die durch den Wettbewerb initiierte literarische Richtung wurde übrigens beibehalten. Die „Edition Junge Poesie“ besteht bis heute fort.

Das Verlagsprogramm umfasst Bildbände, Dokumentationen, Nachschlagewerke, Anthologien, Zeitschriften, Fachbücher, Kalender, Kataloge, Jahrbücher und Kunsteditionen. Im Laufe der Jahre kam es zu Umstrukturierungen und zu einer stärkeren Berücksichtigung auch von Titelnmit überregionaler Bedeutung, insbesondere auch Reise-Literatur und Fotobildbände über Städte, Länder und Landschaften – vom Kraichgau über den Gardasee und Genfer See bis nach Laos und Kasachstan. Schwerpunkte des Verlages sind heute insbesondere Regionalia im Bereich Literatur, Krimis, Mundart, Wein- und Reiselesebücher, Kunst und Geschichte. Dazu gehören neben zahlreichen Ausstellungskatalogen und Museumsführern etwa für das Badische Landesmuseum vor allem die Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs, die fast alle im Info Verlag erschienen; zuletzt 2014 u.a. der Erinnerungsband an den ersten Weltkrieg in Karlsruhe „Der Krieg daheim“. Über 30 Jahre von 1997 bis 2009 – begleitete der Verlag mit seiner beliebten Jahreschronik „Tagebuch der Fächerstadt“ die Geschichte der Stadt Karlsruhe. Namhafte Autoren, Journalisten und Fotografen dokumentierten Jahr für Jahr in der von Klaus E.R. Lindemann herausgegebenen Text- und Bilddokumentation einfühlsam und prägnant das Geschehen in der Fächerstadt. Im belletristischen Bereich spielt inzwischen auch das E-Book eine zunehmende Rolle.

Thomas Lindemann

Thomas Lindemann

Zu den Best- und Longsellern des Hauses gehören die Mannheimer Jungbusch-Romane von Nora Noé (Liselotte Jung), die inwischen in der 6. Auflage vorliegen, das „Reisenotizbuch“ des Karlsruher Malers Johannes Gervé mit Texten des Schrifstellers und langjährigen Nestlé-Managers Eberhard Raetz, das Sören Anders-Kochbuch sowie der jüngst erschienene, 936 Seiten starke Führer zu den Sternerestaurants der Trinationalen Region, „Cusine Etoilée“, der gemeinsam mit der IHK Karlsruhe entstanden ist.

Bis vor Kurzem erschien die Literaturzeitschrift „allmende“ im Info Verlag, die seit 2004 von der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe herausgegeben wird, und die sich bis dahin vornehmlich dem schrifstellerischen Schaffen in der Region entlang des Oberrheins gewidmet hat. Der Verlag war vor nunmehr 11 Jahren zusammen mit der Literarischen Gesellschaft angetreten, das Magazin, welches der Streichung von Landesmitteln zum Opfer zu fallen drohte, auf neue Beine zu stellen. Nach dem Redesign durch den Info Verlag unterstützte dieser das Erscheinen der Zeitschrift bis Mitte 2014.

Verlagsbüro Karlsruhe

Verlagsbüro Karlsruhe

Der heutige Verleger, Thomas Lindemann (*1965), trat 1992 in den Betrieb ein. Nachdem sein Vater Klaus E.R. Lindemann – heute neben der eigenen Consulting-Firma u.a. als Stiftungsvorstand der Majolika tätig – als Touristikdirektor in die Landeshauptstadt Stuttgart wechselte, übernahm er die Geschäfte, die er inzwischen gemeinsam mit seiner Frau Constanze betreibt. Seither wurde der Bereich Satz und Druckvorstufe sowie Grafik und Gestaltung in den Verlag integriert. „Bücher und mehr“ steht für das Profil des Hauses. Konsequent wurden die klassischen Verlagsaufgaben durch die Tätigkeitsfelder Kommunikation, Gestaltung und Design ergänzt. Neben Geschäftsdrucksachen, Veranstaltungsprogrammen und Jahresberichten für Verbände und Institutionen realisieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Image-Broschüren für Städte und Gemeinden sowie Werbedrucksachen aller Art.

Verlagsbüro Bretten

Verlagsbüro Bretten

Das Verlags-Unternehmen, das inzwischen überwiegend unter der Marke „Lindemanns Bibliothek“ veröffentlicht, war bis Herbst 2014 im Medienhaus in der Käppelestraße 10 zu Hause. Mit Engelhardt & Bauer und ihrem langjährigen Geschäftsführer Rigo Fay verband die Buchmacher eine jahrzehntelange, enge Kooperation. Noch bevor die Insolvenz der traditionsreichen Druckerei durch die Übernahme in die Ettlinger Kraft-Gruppe abgewendet werden konnte, bezog der Verlag als Folge der Auslagerung seiner Buchauslieferung an einen Verlagsauslieferer, ein neues Domizil in der Ludwig-Erhard-Allee im neuen Karlsruher Stadtteil Südoststadt. Außerdem eröffnete er ein weiteres Büro in der Melanchthonstadt Bretten.